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Soziales Handeln

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Engagement für und mit anderen Menschen Soziales Engagement liegt uns als Bischöfliches Gymnasium besonders am Herzen. Neben dem fairen Umgang miteinander bestärken wir unsere Schülerinnen und...

Projektkurse

Projektkurse

Wertvolle Zusatzqualifikationen für den Berufsstart Für einen optimalen Start in das spätere Studium und Berufsleben bietet das St.-Pius-Gymnasium interessante Projektkurse an: Von...

Kultur

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Eigene Talente vor Publikum austesten Im Bereich Kultur bietet das St.-Pius-Gymnasium ein vielfältiges und abwechslungsreiches Angebot. Neben Kulturabenden, bei denen Schüler selbst geschriebene...

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Hier forschen die Schülerinnen und Schüler zu einem selbst gewählten Thema, lernen dabei die Arbeit in Stadt- und Universitätsarchiven kennen, beschäftigen sich intensiv mit lokaler Geschichte und stoßen dabei manchmal auf bislang unbekannte, spannende Dokumente.

Ansprechpartner: Bernd Ostendorf

 

Geschichtsprojekt 2014

Pius-Schüler erforschen die eigene Schulgeschichte – Zeitzeugen gesucht

Am 1. April 1964 begann der Unterricht am St.-Pius-Gymnasium,nachdem bereits im Jahre 1955 ein Konvikt errichtet worden war, um Jungen aus dem ländlichen Bereich den Besuch des Gymnasiums zu ermöglichen. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des St.-Pius-Gymnasiums im Jahr 2014 erforscht der Projektkurs Geschichte/Pädagogik der Jahrgangsstufe 11 die eigene Schulgeschichte.

Der Projektkurs beschäftigt sich ein Schuljahr lang mit dieser Thematik. Es sollen Quellen zur Schulgeschichte gesammelt und ausgewertet werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Befragung von Zeitzeugen. Im Rahmen eines Seminars in der Gedenkstätte Villa ten Hompel in Münster haben sich die Kursteilnehmer/innen auf die Methode der Zeitzeugen/innenbefragung vorbereiten. Die 14 Schüler/-innen und ihr Lehrer Bernd Ostendorf sind zurzeit dabei, die Themen, zu denen sie forschen möchten, festzulegen. Die Interessen der Schüler/-innen sind vielfältig. Untersucht werden soll die politische Haltung des Kollegiums und der Schülerschaft in den Jahren des Konvikts und in den Anfangjahren der Schule sowie die Rolle der Frauen und Mädchen am St.-Pius-Gymnasium. Es interessieren ebenso mögliche Skandale und Schülerproteste sowie der Wandel des Erziehungsverständnisses im Laufe der letzten 50 Jahre.

Der Kurs sucht Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die sich zu einem dieser Themen äußern können. Falls Interesse vorhanden ist, kann man sich am Sekretariat des St.-Pius-Gymnasiums montags und freitags zwischen 8 und 12 Uhr unter der Telefonnummer 02541/9459 melden.

Geschichtsprojekt 2013

30. November 1934, gegen 21 Uhr – einer steht Schmiere, während drei andere Jugendliche über ein Seitenfenster in die jüdische Synagoge in Ahaus eindringen, um dort eine selbst gebastelte Sprengbombe zu legen. Zwei Stunden später wird durch die Explosion die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört. Die vier Ahauser, von denen drei das Gymnasium im benachbarten Coesfeld besuchen, werden Tage danach durch die Kriminalpolizei festgenommen; einer von ihnen ist bei der Tatausübung erkannt worden. Sie kommen für 17 Tage in Untersuchungshaft, bis schließlich im September 1935 ein Gerichtsverfahren durch „Erlass des Führers“ niedergeschlagen wird.

„Wie kamen Leute, die in unserem Alter waren, dazu, so etwas zu tun? Wie konnten sie einen solchen Hass auf Juden entwickeln“ Diese Fragen sind es, denen neun Schülerinnen und Schüler des St.– Pius –Gymnasiums zurzeit im Rahmen eines Projektkurses nachgehen. Die Suche nach Antworten führte die Schülergruppe unter Leitung des Geschichtslehrers Ostendorf bislang in mehrere Archive. „Im Staatsarchiv Münster sind wir fündig geworden, denn dort haben wir Akten einsehen können, durch die wir etwas über den Schulbesuch der Täter erfahren haben“, weiß der Kursteilnehmer Fabian Löbbers zu berichten. Im Stadtarchiv Coesfeld wurden Personenbögen und Abgangszeugnisse entdeckt. Im Stadtarchiv Ahaus konnten Adressenverzeichnisse und zeitgenössische Zeitungsartikel sowie ein Vernehmungsprotokoll ausgewertet werden.

Doch der größte Fund fiel den Schülerinnen und Schülern durch Zufall in die Hände. Die Projektgruppe hatte den Archivar des Stadtarchivs Coesfeld, Herrn Damberg, gebeten, eine Auskunft zu den Attentätern im Bundesarchiv Berlin einzuholen. Bei dieser Gelegenheit meldete das Bundesarchiv zurück, dass es noch eine Akte des Reichsjustizministeriums zu diesem Fall gebe. Diese Akte liegt inzwischen in kopierter Form dem Stadtarchiv Coesfeld vor. Die Projektgruppe hat eine erste Auswertung vornehmen können. „Es ist schon irgendwie ein tolles Gefühl, eine Quelle in den Händen zu haben, die bislang noch niemand von denen kennt, die zu dem Fall forschen“, so die Schülerin Maike Voss.

Die Akte des Reichsjustizministeriums belegt, welche Bedeutung dem Sprengstoffanschlag in Ahaus von höchsten Kreisen beigemessen wurde. Zwischen Teilen der Justiz und der Partei wurde darüber gestritten, ob es zu einem Prozess gegen die vier Jugendlichen kommen soll. Die einen hielten einen solchen Prozess für notwendig, um dem Ausland zu suggerieren, dass auch im nationalsozialistischen Deutschland alles mit Recht und Ordnung zugehe. Die anderen fürchteten, dass dieser Prozess dazu führen könne, dass im Ausland gegen die Hitlerjugend, der die vier Täter angehörten, agitiert werde.

Selbst einflussreiche Personen, wie der damalige Staatssekretär im Justizministerium, der berüchtigte spätere Vorsitzende des Volksgerichtshof, Roland Freisler, oder der damalige Adjutant des Stellvertreters des Führers, Martin Bormann, später Leiter der Reichskanzlei, waren mit dem Fall beschäftigt. Schließlich setzte sich die Partei durch. Von Hitler persönlich wurde am 28. September 1935 ein Erlass unterschrieben, durch den das Gerichtsverfahren gegen die vier Ahauser Jugendliche niedergeschlagen wurde.

„Wir wussten zwar vor dem Aktenfund davon, dass das Verfahren durch Erlass Hitlers niedergeschlagen wurde, sind jedoch davon ausgegangen, dass dieser Erlass für viele Fälle gegolten hatte, in denen jemand wegen antisemitischer Gewalttaten angeklagt worden war. Doch dieser Erlass Hitlers bezieht sich einzig auf die Anklage gegen die vier Ahauser Jugendlichen“, so der Schüler Jonas Weitkamp.

„Diese Quelle ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie die Justiz für die Zwecke der nationalsozialistischen Herrschaft instrumentalisiert wurde“, kommentiert der Coesfelder Stadtarchivar Herr Damberg den spektakulären Fund.

Die Schülergruppe wird in ihrer Forschungsarbeit vom Nepomucenum tatkräftig unterstützt. Trotzdem sind die Schüler bei der Beantwortung der Fragen nach den Motiven der Jugendlichen Attentäter auf weitere Hilfestellung angewiesen. Vor allem hoffen sie darauf, noch Fotos und Informationen über die Abiturjahrgänge des Nepomucenums der Jahre 1936 und 1937, denen zwei der Attentäter angehörten, zu finden. Wer der Projektgruppe mit entsprechenden Informationen helfen kann, kann sich entweder an das Stadtarchiv Coesfeld oder an das Sekretariat des St.-Pius-Gymnasiums wenden.